Äquinoktium oder Tagundnachtgleiche – Der erste Herbsttag 2022

~5 min
Äquinoktium oder Tagundnachtgleiche – Der erste Herbsttag 2022

Die Herbst-Tagundnachtgleiche kommt! Für die Nordhalbkugel bedeutet es, dass der Sommer vorbei ist, aber in den südlichen Breiten beginnt der Frühling gerade erst. Dieser Artikel erklärt, was eine Tagundnachtgleiche ist, wie sie die Jahreszeiten verursacht und wann die nächsten Tagundnachtgleichen 2022-2023 stattfinden.

Inhalt

Tagundnachtgleiche: Wie entstehen die Jahreszeiten?

Die Tagundnachtgleiche (oder Äquinoktium) ist der Zeitpunkt, an dem die Erdachse einen rechten Winkel mit den Sonnenstrahlen bildet, dadurch werden Tag und Nacht auf der ganzen Welt (fast) gleich.

Die Rotationsachse unseres Planeten ist um 23,5 Grad geneigt. Dies bedeutet, dass die nördliche und südliche Hemisphäre der Erde die meiste Zeit des Jahres ungleich viel Sonnenlicht erhalten. Diese axiale Neigung ist der Grund, warum wir Jahreszeiten haben.

Zweimal im Jahr – im März und September – wird die Erde jedoch so positioniert, dass keine ihrer Hemisphären zur Sonne hin oder von ihr weg geneigt ist. Zu diesen Zeitpunkten steht die Sonne direkt über dem Äquator und beide Hemisphären erhalten fast gleich viel Sonnenlicht. Dieses astronomische Ereignis wird Äquinoktium oder Tagundnachtgleiche genannt. Die Tagundnachtgleichen markieren den Übergang vom Winter zum Frühling und vom Sommer zum Herbst.

Was passiert beim Äquinoktium?

Beim Äquinoktium erleben die Menschen auf der Erde eine fast gleiche Dauer von Tag und Nacht – etwa zwölf Stunden. Warum nicht genau zwölf Stunden? Theoretisch sollten Tag und Nacht gleich lang sein, wenn die Erde nicht relativ zur Sonne geneigt ist. Unser Planet hat jedoch eine Atmosphäre, die Licht wie ein Prisma bricht. Wenn Sie die untergehende Sonne in der Nähe des Horizonts betrachten, ist ihre tatsächliche Position etwa 1,5 Grad niedriger, als es dem Auge erscheint. Die atmosphärische Refraktion verzögert den Sonnenuntergang, was am Tag der Tagundnachtgleiche zu mehr Tageslicht als in der Nacht führt. In gemäßigten Breiten beträgt dieser Unterschied etwa acht Minuten.

Ein weiteres interessantes Phänomen, das bei einer Tagundnachtgleiche auftritt, ist der Sonnenaufgang im Osten und der Untergang im Westen. Dies gilt für jeden Ort auf der Erde, mit Ausnahme des Nord- und Südpols, wo es weder Ost noch West gibt. Hier ist, warum es passiert.

Egal wo Sie sich befinden, die genauen Ost- und genauen Westpunkte an Ihrem Horizont markieren den Schnittpunkt des Himmelsäquators mit dem Horizont. Am Tag der Tagundnachtgleiche steht die Sonne genau auf dem Himmelsäquator. Aus diesem Grund geht die Sonne am Tag der Tagundnachtgleiche rund um den Globus genau im Osten auf und im Westen unter. Wenn Sie also feststellen möchten, wo sich Ost und West an Ihrem Standort befinden, gehen Sie am Tag der Tagundnachtgleiche einfach nach draußen und beobachten Sie den Auf- und Untergang der Sonne.

Daten der Äquinoktien

Die Äquinoktien treten zweimal im Jahr auf. Das Äquinoktium im März kann jederzeit zwischen dem 19. und 21. März auftreten; das Äquinoktium im September kann zwischen dem 21. und 24. September stattfinden. Je nach Jahreszeit wird ein Äquinoktium entweder Frühlings- oder Herbstäquinoktium genannt. Beachten Sie, dass die Äquinoktien – sowie die Jahreszeiten – auf der Südhalbkugel im Vergleich zur Nordhalbkugel umgekehrt sind.

Wann ist der Herbstäquinoktium 2022?

Im Jahr 2022 findet das Herbstäquinoktium am 23. September um 03:04 Uhr CEST (01:04 Uhr GMT) statt. Das ist der astronomische Herbstbeginn.

Wann ist der Frühlingsäquinoktium 2023?

Das nächste Frühlingsäquinoktium findet am 20. März 2023 um 22:25 Uhr CET (21:25 Uhr GMT) statt. Dieses Ereignis markiert den astronomischen Frühlingsbeginn.

Erntemond & Herbst-Tagundnachtgleiche

Der dem Herbstäquinoktium nächste Vollmond wird Erntemond genannt. Auf der Nordhalbkugel ist es normalerweise der Vollmond im September, aber in manchen Jahren kommt er im Oktober. Der Erntemond ist zu den Bauern besonders freundlich. Er gibt ihnen mehr Licht, um ihre Ernte zu beenden, da er an mehreren Tagen gegen Sonnenuntergang aufgeht. Jeden Tag geht er nur 10 bis 30 Minuten später auf, im Gegensatz zu den durchschnittlichen Monden, die Nacht zu Nacht rund 50 Minuten später aufgehen. Der Grund dafür ist, dass die Umlaufbahn des Mondes um die Zeit des Herbstäquinoktiums am wenigsten zum Horizont geneigt ist. Lesen Sie unseren Artikel über den Erntemond, um über sein Datum und andere Besonderheiten zu erfahren.

Die beste Zeit für die Nordlichter

Laut NASA treten auf die Wochen um die Herbst- und Frühlingsäquinoktien geomagnetische Stürme am häufigsten. Das bedeutet, dass glückliche Beobachter aus den nördlichen Breiten das Polarlicht oder das Nordlicht anschauen können. Die historischen Aufzeichnungen zeigen, dass geomagnetische Stürme im Frühjahr und Herbst doppelt so wahrscheinlich sind wie im Sommer und Winter. Es ist also die beste Zeit, auf die Nordlichter zu warten!

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Sonnenwende und Tagundnachtgleiche?

Sowohl Tagundnachtgleichen als auch Sonnenwenden markieren den Wechsel der Jahreszeiten, aber ansonsten sind sie Gegensätze:

  • Eine Tagundnachtgleiche ist die Zeit, in der Tag und Nacht fast gleich sind. Im Gegensatz dazu führt eine Sonnenwende je nach Jahreszeit zum kürzesten oder längsten Tag.
  • Tagundnachtgleichen markieren die ersten Frühlings- und Herbsttage, und Sonnenwenden markieren den Beginn des Winters oder Sommers.
  • An einer Tagundnachtgleiche sind keine der Hemisphären zur Sonne hin oder von ihr weg geneigt, sodass sie beide nahezu gleich viel Licht erhalten. An einer Sonnenwende ist eine der Hemisphären am stärksten zur Sonne geneigt. Somit bekommt mal die Nordhalbkugel, mal die Südhalbkugel mehr Sonnenlicht ab.

In unserem Artikel werden Sie mehr über Sonnenwenden erfahren und das genaue Datum der nächsten Sonnenwende im Jahr 2022 finden.

Ist die Tagundnachtgleiche im September der Herbstbeginn?

Das hängt von Ihrer Definition von „Herbst“ ab. Nach meteorologischer Definition ist der 1. September der erste Herbsttag. Astronomisch gesehen beginnt der Herbst an der Herbst-Tagundnachtgleiche, die je nach Jahr und Zeitzone zwischen dem 21. und 24. September stattfinden kann.

Ist ein Äquinoktium überall am selben Tag?

In jedem Jahr findet auf der ganzen Welt gleichzeitig ein Äquinoktium statt. Bei Personen in verschiedenen Zeitzonen kann dies jedoch an verschiedenen Tagen passieren.

Ist ein Äquinoktium immer auf einen Vollmond ausgerichtet?

Diese beiden Ereignisse liegen nahe beieinander, aber es ist nicht immer eine perfekte Übereinstimmung. Der dem Herbstäquinoktium nächste Vollmond wird Erntemond genannt.

Sind Tag und Nacht zur Tagundnachtgleiche gleich?

Sie sind fast gleich, aber am Tag der Tagundnachtgleiche gibt es etwas mehr Tageslicht als die Nacht lang ist. Der Grund ist die atmosphärische Brechung des Sonnenlichts.

Können Sie ein Ei während der Frühlings-Tagundnachtgleiche balancieren?

Die kurze Antwort lautet: Ja, aber es hat nichts mit der Tagundnachtgleiche zu tun. Nach einem populären Mythos kann man zur Frühlings-Tagundnachtgleiche ein Ei aufgrund eines Gravitationsgleichgewichts zwischen Erde und Sonne auf seinem Ende stehen lassen. In Wirklichkeit findet während einer Tagundnachtgleiche keine Gravitationsänderung statt, die einem Ei-Gleichgewicht helfen würde. Und das ist nicht nötig: Sie können diesen Trick zum Eierausgleich an jedem beliebigen Tag des Jahres ausprobieren. Alles, was Sie brauchen, um erfolgreich zu sein, ist ein wenig Geduld.

5 interessante Fakten über Tagundnachtgleichen

  • Astronomen in der Antike haben das Frühlingsäquinoktium als Nullpunkt gewählt, um die Bewegungen der Sterne zu messen, und es wurde bald verwendet. Bereits in Julius Caesars Notizen sehen wir, dass er seine Seezüge unter Berücksichtigung des Äquinoktiums geplant hat.
  • Am Äquator steht die Sonne am Tag der Tagundnachtgleiche mittags direkt über ihnen. Wenn Sie in diesem Moment einen vertikalen Stock in den Boden stecken, wirft dieser keinen Schatten.
  • Die Erde ist nicht der einzige Planet, der Tagundnachtgleichen hat – tatsächlich erlebt jeder Planet mit einer axialen Neigung sie.
  • Es gibt vier astronomische Daten, die den Beginn einer neuen Saison markieren. Die ersten beiden kennen wir bereits – die September- und die März-Tagundnachtgleiche. Zwei weitere sind die Juni- und Dezember-Sonnenwende. Sie sind die Momente, in denen wir die meisten Stunden des Tageslichts (die Juni-Sonnenwende) und die wenigsten Stunden des Tageslichts (die Dezember-Sonnenwende) erleben.
  • Die schnellsten Sonnenuntergänge gibt es immer zur Äquinoktien, egal ob Sie auf der Nord- oder Südhalbkugel leben. Die langsamsten Sonnenuntergänge und Sonnenaufgänge hingegen treten um die Zeit der Sonnenwende auf. Der Grund dafür ist, dass die Sonne bei einem Äquinoktium genau nach Osten aufgeht und genau nach Westen untergeht, also ist es der kürzeste Weg für sie, unter den Horizont zu sinken.

Wir hoffen, dass Sie in unserem Artikel etwas Neues über Tagundnachtgleichen gelernt haben. Wenn Sie Fragen haben, können Sie diese gerne in unseren sozialen Medien stellen. Wenn Sie Ihr astronomisches Wissen testen möchten, nehmen Sie an unserem Quiz über Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden teil!

Der Beginn der astronomischen Jahreszeiten wird von zwei Tagundnachgleichen und zwei Sonnenwenden markiert, aber was ist der Unterschied zwischen einer Tangundnachtgleiche und einer Sonnenwende? Und warum gibt es auf der Erde überhaupt Jahreszeiten? Nehmen Sie an diesem Quiz teil, um Antworten auf diese Fragen zu erhalten und Interessantes zu Tangundnachtgleichen und Sonnenwenden zu erfahren.
Quiz starten!
Trustpilot