Astronomie am Tag: Kann man tagsüber Sterne sehen?
Sie müssen nicht die ganze Nacht wach bleiben, um die Schönheit des Himmels zu genießen. Mond und Sonne sind die bekanntesten Ziele am Tag, doch mit etwas Anleitung lässt sich noch viel mehr entdecken. Dieser Leitfaden erklärt, wonach Sie Ausschau halten können, welche Ausrüstung Sie brauchen und wie Sie sicher beobachten. Öffnen Sie Sky Tonight, um Mondphase und Mondposition für Ihren Standort zu prüfen, und entdecken Sie anschließend weitere Sehenswürdigkeiten des Taghimmels.
Inhalt
- Was versteht man unter Tag?
- Beobachtungsziele am Tag im Überblick
- Ausrüstung für die Astronomie am Tag
- Was sieht man tagsüber am Himmel? Ziele für Einsteiger
- Was sieht man tagsüber am Himmel? Ziele für Fortgeschrittene
- Astronomie am Tag: das Wichtigste
Was versteht man unter Tag?
Der Tag beginnt, sobald der obere Sonnenrand über dem örtlichen Horizont erscheint, und endet, wenn er vollständig darunter verschwunden ist. In dieser Zeit liefert die Sonne natürliches Licht. Im Sommer sind die Tage länger, im Winter kürzer.
Beobachtungsziele am Tag im Überblick
Die Sichtbarkeit eines Objekts hängt vom Zustand des Himmels, seiner Position und Ihrer Ausrüstung ab.
- Sonne: leicht zu finden, aber niemals ohne geeigneten Sonnenfilter direkt betrachten. Schon der Blick mit bloßem Auge ist gefährlich. Durch ein ungefiltertes Teleskop oder Fernglas kann gebündeltes Sonnenlicht die Netzhaut verbrennen und dauerhaft zur Erblindung führen.
- Mond: ein einfaches Ziel, das oft ohne optische Hilfsmittel sichtbar ist. Den zunehmenden Mond suchen Sie am Nachmittag, den abnehmenden am Morgen.
- Venus: mit bloßem Auge sichtbar, allerdings nur bei klarem Himmel und wenn Sie genau wissen, wohin Sie schauen müssen.
- Weitere helle Planeten (Mars, Jupiter, Merkur, Saturn): anspruchsvolle Ziele. Meist brauchen Sie einen klaren Himmel, ein kleines Teleskop und ausreichend großen Winkelabstand zur Sonne.
- Die hellsten Sterne (etwa Sirius): anspruchsvolle Ziele. Einzelne Sterne lassen sich mit geeigneter Optik aufspüren; in der Dämmerung ist die Beobachtung einfacher.
- Satelliten: schwierige Ziele. Tagesbeobachtungen erfordern spezielle Techniken; ISS-Beobachtungen planen Sie am besten für die Morgen- oder Abenddämmerung.
- Atmosphärische Phänomene: seltene, wetterabhängige Ziele. Regenbögen, Halos und Nebensonnen sind bei passenden Bedingungen ohne Optik sichtbar, lassen sich aber schwer vorhersagen.
- Meteore: sehr schwierige oder seltene Ziele; die meisten gehen im Sonnenlicht unter. In der Dämmerung steigen die Chancen, während außergewöhnlich helle Feuerkugeln auch am helllichten Tag erscheinen können.
Ausrüstung für die Astronomie am Tag
Mond und Venus sind unter geeigneten Bedingungen ohne optische Hilfsmittel sichtbar, doch ein Teleskop macht die Beobachtung lohnender: Es zeigt Mondkrater und die wechselnden Phasen der Venus.
Für die Sonnenbeobachtung benötigen Sie spezielle Sonnenfilter. Verwenden Sie ohne optische Instrumente eine Sonnenbeobachtungsbrille, die der Norm ISO 12312-2 entspricht. Für detaillierte Beobachtungen nutzen Sie ein Teleskop mit einem geeigneten, sicher vor der Optik befestigten Sonnenfilter. Eine Sonnenbeobachtungsbrille ersetzt keinen Teleskopfilter.
Für andere Himmelskörper sind keine Sonnenfilter nötig. Ein kleines Teleskop kann hilfreich sein, aber Sie müssen die genaue Blickrichtung kennen. Öffnen Sie Sky Tonight, suchen Sie das Ziel und wählen Sie die Beobachtungszeit, um seine Position an Ihrem Standort zu prüfen. Für Tagesbeobachtungen mit ungefilterter Optik wählen Sie einen Platz, an dem ein Gebäude oder eine andere feste Abschirmung die Sonne während der gesamten Beobachtung von der kompletten Ausrüstung fernhält. Ist das nicht gewährleistet, warten Sie bis nach Sonnenuntergang.
Was sieht man tagsüber am Himmel? Ziele für Einsteiger
Obwohl Sonnenlicht die meisten Himmelskörper überstrahlt, bleiben der Mond, einige der hellsten Planeten und die Sonne selbst sichtbar. Hier stellen wir die besten Ziele für die Tagesbeobachtung vor.
Der Mond am Tag
Vielleicht überrascht es Sie, aber der Mond, das klassische Symbol der Nacht, ist oft bei Tageslicht sichtbar. Vor dem hellen Himmel wirkt seine Scheibe blass, doch die dunklen Mondmeere, die sogenannten Maria, lassen sich weiterhin erkennen. Der Tagesmond ist mit bloßem Auge sichtbar; ein Fernglas oder Teleskop zeigt mehr Einzelheiten seiner Landschaft.

Wann sieht man den Mond am Tag?
Der zunehmende Mond ist am Nachmittag sichtbar und rund um das erste Viertel besonders gut am Abend zu sehen. Den abnehmenden Mond beobachten Sie am besten morgens, vor allem rund um das letzte Viertel. Um Vollmond ist er hauptsächlich nachts sichtbar. Bei Neumond zeigt seine beleuchtete Seite von der Erde weg, und am Himmel steht er für die gewöhnliche visuelle Beobachtung zu nahe an der Sonne.
Astronomie am Tag ausprobieren: den Mond bei Tag und nach Sonnenuntergang vergleichen
Beobachten Sie dieselbe Mondformation zweimal an einem Tag: zunächst bei Tageslicht, dann nach Sonnenuntergang. So erkennen Sie, wie der helle Himmel den Kontrast der Monddetails beeinflusst.
Wählen Sie einen Tag um das erste Viertel. Öffnen Sie in Sky Tonight den Mondkalender und prüfen Sie die Ortszeiten, zu denen der Mond bei beiden Beobachtungen ausreichend hoch über dem Horizont steht.
Beginnen Sie am Nachmittag. Suchen Sie mit bloßem Auge die dunklen Mondmeere und erkunden Sie anschließend mit Fernglas oder Teleskop die Krater am Terminator, der Grenze zwischen der beleuchteten und der dunklen Mondseite.
Fertigen Sie eine kurze Skizze oder ein Foto an. Suchen Sie nach Sonnenuntergang dieselben Formationen mit demselben Instrument und derselben Vergrößerung. Vergleichen Sie, welche Details Sie erkennen. Notieren Sie Wetteränderungen wie Dunst oder Wolken: Neben der Himmelshelligkeit können auch sie das Ergebnis beeinflussen.
Wählen Sie für den ersten Versuch eine mindestens halb beleuchtete Mondscheibe mit großem Abstand zur Sonne am Himmel. Bei jeder Tagesbeobachtung mit ungefilterter Optik muss die Sonne von Ihrer gesamten Ausrüstung abgeschirmt bleiben.
Warum kann man den Mond am Tag sehen?
Erstens reflektiert der Mond genügend Sonnenlicht, um bei günstiger Position vor dem hellen Taghimmel aufzufallen. Zweitens bewegen sich Mond, Sonne und Erde ständig, sodass sich ihre gegenseitigen Positionen verändern. Um Vollmond geht der Mond etwa bei Sonnenuntergang auf und bei Sonnenaufgang unter, ist also vor allem nachts zu sehen. Auf seiner weiteren Bahn geht er jeden Tag später auf und bleibt nach Sonnenaufgang immer länger am Himmel. Um Neumond steht er den ganzen Tag am Himmel, ist aber unsichtbar, weil seine beleuchtete Seite von der Erde wegzeigt.

Planeten am Tag
Venus ist das wichtigste planetare Ziel für die Tagesbeobachtung. Bei klarem Himmel kann sie mit bloßem Auge als winziger weißer Punkt erscheinen. Je nach ihrer Stellung zu Erde und Sonne ist sie ein Abendobjekt, das nach Sonnenuntergang untergeht, oder ein Morgenobjekt, das vor Sonnenaufgang aufgeht. Rund um die größte Elongation, wenn ihr scheinbarer Abstand zur Sonne am größten ist, lässt sie sich häufig leichter finden. Bei Konjunktionen mit der Sonne geht sie in deren Glanz unter.
Andere helle Planeten – Jupiter, Mars, Saturn und Merkur – sind am Tag schwieriger zu beobachten. Meist braucht man ein Teleskop, einen besonders klaren Himmel und genaue Positionskenntnisse. Mit dem Teleskop auf der Suche nach einem Planeten die Umgebung der Sonne abzusuchen, ist wenig erfolgversprechend und gefährlich für Augen und Ausrüstung. Prüfen Sie stattdessen die Planetenposition für Ihren Standort in Sky Tonight. Stellen Sie vor dem Ausrichten sicher, dass ein Gebäude oder eine andere feste Abschirmung die Sonne von der gesamten Ausrüstung fernhält – und zwar während der ganzen Beobachtung.

Manchmal dient der Mond als Orientierungshilfe beim Auffinden der Planeten. In unserem eigenen Artikel erfahren Sie, wann der Mond nahe bei Planeten steht.
Astronomie am Tag ausprobieren: die Venusphasen erkunden

Im Teleskop erscheint Venus je nach ihrer Bahnposition als Sichel, ungefähr halb beleuchtete Scheibe oder mehr als halb beleuchtete Gestalt. Ihre Phasen zu beobachten ist viel spannender, als sie mit bloßem Auge nur als hellen Punkt zu sehen. Schon ein kleines Teleskop, etwa ein Refraktor mit 60 mm Öffnung auf einer stabilen Montierung, zeigt die Venusphasen. Verlassen Sie sich dafür nicht auf ein gewöhnliches, frei gehaltenes Fernglas.
Wählen Sie einen Termin, an dem Venus weit genug von der Sonne entfernt und ausreichend hoch über dem Horizont steht. Ein guter Einstieg ist die Zeit um die größte Elongation, wenn Venus am Himmel den größten Abstand zur Sonne erreicht. Dann erscheint ihre Scheibe ungefähr halb beleuchtet.
Beobachten Sie von einem Platz, an dem ein Gebäude oder eine andere feste Abschirmung die Sonne vollständig von Ihrer Ausrüstung fernhält, Venus jedoch sichtbar bleibt. Prüfen Sie, ob die Sonne trotz ihrer Bewegung am Himmel während der gesamten Beobachtung verdeckt bleibt. Ist das nicht sicher, warten Sie bis nach Sonnenuntergang.
Prüfen Sie vor dem Ausrichten des Teleskops in Sky Tonight die genaue Venusposition für Ihren Standort. Beginnen Sie mit niedriger Vergrößerung, stellen Sie Venus in die Mitte des Gesichtsfelds und fokussieren Sie auf ihren Scheibenrand. Erhöhen Sie die Vergrößerung nur, solange der Umriss scharf bleibt.
Zu sehen ist eine kleine weiße oder blassgelbe Scheibe. Die bunten Wolkenmuster auf bearbeiteten Raumsondenbildern bleiben einem gewöhnlichen Teleskop verborgen. Konzentrieren Sie sich deshalb auf die Form des Planeten und den beleuchteten Anteil seiner Scheibe.
Bei Annäherung an die untere Konjunktion erscheint Venus als schmale Sichel, steht am Himmel aber auch näher an der Sonne. Beobachtungen unter diesen Bedingungen sollten erfahrenen Beobachtern vorbehalten bleiben.
Sonnenbeobachtung
Die Sonne ist das offensichtlichste Beobachtungsziel am Tag. Direkt hineinzuschauen ist jedoch gefährlich, weshalb geeignete Schutzmaßnahmen unerlässlich sind.

Wie betrachtet man die Sonne sicher?
Verwenden Sie für den direkten Blick ohne Optik eine spezielle Sonnenfinsternisbrille oder einen handgehaltenen Sonnenbetrachter nach ISO 12312-2. Prüfen Sie den Schutz vor Gebrauch und beachten Sie die Herstellerhinweise. Gewöhnliche Sonnenbrillen sind ungeeignet.
Eine Sonnenfinsternisbrille vor den Augen macht ein ungefiltertes Fernglas oder Teleskop nicht sicher. Nutzen Sie bei einem gewöhnlichen Teleskop, Fernglas oder einer Kamera einen Sonnenfilter, der ausdrücklich für dieses Instrument und diesen Zweck vorgesehen ist. Für visuelle Beobachtungen muss er als sicher für die Beobachtung mit dem Auge ausgewiesen sein, nicht nur für Fotografie, und fest vor der vorderen Öffnung sitzen. Entfernen Sie einen ungefilterten optischen Sucher oder decken Sie ihn sicher ab.
Eine einfache Alternative ohne optisches Instrument ist die Lochprojektion. Sie eignet sich besonders für partielle Sonnenfinsternisse und erfordert keine Spezialausrüstung. Dafür können Sie sogar Ihre Hände nutzen:
- Lassen Sie zwischen Daumen und Zeigefinger einen kleinen Spalt.
- Drehen Sie der Sonne den Rücken zu und betrachten Sie den Schatten Ihrer Hand auf dem Boden.
- Auf dem Boden erscheint das projizierte Bild der teilweise bedeckten Sonne.
- Schauen Sie auf das projizierte Bild, niemals durch die Öffnung zur Sonne.
Wenn Sie die Finsternis in der Nähe von Bäumen beobachten, können Sie auch die Blattschatten am Boden betrachten. Kleine Lücken zwischen den Blättern wirken während der Finsternis als Lochprojektoren und werfen Bilder der Sonnensichel auf den Boden. So lässt sich die Finsternis gefahrlos verfolgen.
Die Projektion durch ein Teleskop ist eine andere Technik. Sie kann ungeeignete Ausrüstung beschädigen und Menschen gebündeltem Sonnenlicht aussetzen. Dafür sind Erfahrung, passende Ausrüstung und ständige Aufsicht nötig. Einsteiger sollten stattdessen ein korrekt gefiltertes Instrument oder die einfache Lochprojektion wählen.
Astronomie am Tag ausprobieren: die Sonnenrotation anhand von Sonnenflecken verfolgen

Eine Beobachtungsreihe macht die Rotation der Sonne sichtbar – so können Sie die Bewegung unseres Sterns indirekt „beobachten“! Verfolgen Sie mit sicher gefilterter Ausrüstung mehrere Tage lang dieselbe Sonnenfleckengruppe und notieren Sie ihre Positionsänderung auf der Sonnenscheibe.
Prüfen und befestigen Sie vor jeder Beobachtung den Sonnenfilter vor der Optik und entfernen oder verdecken Sie den ungefilterten Sucher. Beobachten Sie niemals weiter, wenn ein Filter beschädigt ist, locker sitzt oder fehlt. Befolgen Sie die Hinweise der Instrumenten- und Filterhersteller zur Sonnenbeobachtung.
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Wählen Sie am ersten Tag eine gut erkennbare Sonnenfleckengruppe. Sind keine geeigneten Flecken vorhanden, versuchen Sie es an einem anderen Tag. Zeichnen Sie die ganze Sonnenscheibe und markieren Sie die Position der Gruppe oder fotografieren Sie die vollständige Scheibe durch die korrekt gefilterte Ausrüstung. Notieren Sie Datum und Uhrzeit.
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Wiederholen Sie die Beobachtung an den folgenden Tagen etwa zur gleichen Zeit. Suchen und untersuchen Sie dieselbe Gruppe: Sonnenflecken können wachsen, ihre Form ändern, sich aufteilen oder verschwinden. Vergleichen Sie Bilder mit gleicher Scheibengröße und Orientierung. Verwechseln Sie ein gedrehtes oder gespiegeltes Bild nicht mit einer Bewegung auf der Sonne.
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Verfolgen Sie den Weg der Gruppe über die sichtbare Scheibe. Entscheidend ist die allmähliche Verschiebung; die Gruppe muss nicht eine ganze Umdrehung lang bestehen bleiben.
Von der Erde aus gesehen braucht die Sonne ungefähr 27 Tage für eine vollständige Umdrehung. Eine Fleckengruppe durchquert nur die uns zugewandte Sonnenhälfte und benötigt für die sichtbare Scheibe daher weniger Zeit. Außerdem rotiert die Sonne am Äquator schneller als an den Polen. Eine einzelne Gruppe liefert deshalb nur eine ungefähre Rotationsdauer für die jeweilige Sonnenregion.
Eine Sonnenfinsternis beobachten
Sonnenfinsternisse zählen zu den faszinierendsten astronomischen Ereignissen am Tag, sind aber selten. Bei einer ringförmigen Finsternis sehen Sie einen schönen „Feuerring“ um den Mond; bei einer totalen Finsternis wird die Sonnenkorona sichtbar. Während der Totalität sind die hellsten Sterne und Planeten kurz mit bloßem Auge erkennbar. Vielleicht möchten Sie diese kostbare Zeit aber lieber der verfinsterten Sonne widmen, statt sie ausführlich zu betrachten.
Nehmen Sie die Teleskopfilter nicht ab, auch nicht während einer totalen Sonnenfinsternis! Ohne optische Instrumente dürfen Sie die Sonnenbeobachtungsbrille nur kurz abnehmen, solange die Sonnenscheibe vollständig bedeckt ist. Setzen Sie sie unbedingt wieder auf, bevor irgendein heller Teil erneut erscheint.
Unsere farbige Infografik zeigt die kommenden Sonnen- und Mondfinsternisse mit Zeitabläufen und Sichtbarkeitskarten.

Was sieht man tagsüber am Himmel? Ziele für Fortgeschrittene
Manche Himmelskörper lassen sich am Tag nur schwer beobachten und erfordern sorgfältige Planung sowie passende Ausrüstung. Andere Erscheinungen, etwa Halos und Feuerkugeln bei Tageslicht, hängen zusätzlich von günstigen Bedingungen und etwas Glück ab. Lernen wir diese anspruchsvollen Ziele am Taghimmel kennen.
Sterne am Tag
Einige helle Sterne lassen sich bei Tageslicht mit Fernglas oder Teleskop erkennen, doch ihre Suche will gut geplant sein. Das beste Ziel ist Sirius, der nach der Sonne hellste Stern am Himmel. Nutzen Sie Sky Tonight, um ihn zu finden. Bei Sonnenuntergang können Sie mit scharfen Augen sogar versuchen, Sirius ohne Optik zu sehen, doch die Chancen sind sehr gering. Bessere Aussichten bietet die oben beschriebene Totalitätsphase einer totalen Sonnenfinsternis.

Sehen Sie sich die Liste der hellsten Sterne am Himmel an und beobachten Sie sie tagsüber mit dem Teleskop!

Satelliten am Tag
Mit geeigneter Ausrüstung und Technik lassen sich helle künstliche Satelliten, darunter die Internationale Raumstation (ISS), bei Tageslicht sehen. Diese Aufgabe eignet sich jedoch vor allem für erfahrene Astronomen.
Bessere Chancen auf die ISS haben Sie in der Morgen- oder Abenddämmerung. Sie wirkt wie ein schnell wandernder heller Stern, der von einem Horizont zum anderen über den Himmel zieht. Die ISS umrundet die Erde 16-mal täglich, überfliegt aber unterschiedliche Gebiete und verändert ihre Helligkeit. Deshalb ist sie nicht jeden Tag zu sehen. Wann ISS und andere Satelliten von Ihrem Standort aus sichtbar sind, erfahren Sie in der App Satellite Tracker. Sie informiert über alle sichtbaren Satellitenüberflüge und ermöglicht Erinnerungen.

Meteorströme am Tag
Tagesmeteorströme sind Meteorströme, deren Radianten nahe bei der Sonne liegen. Die meisten Meteore werden vom Sonnenlicht überstrahlt. Daher sind diese Ströme vor allem Ziele für Radio- und Radarbeobachtungen, weniger für gewöhnliche Tagesbeobachtungen. In der Morgendämmerung, bevor die Sonne vollständig aufgegangen ist, können Sie jedoch einzelne „Sternschnuppen“ sehen. Zu den besten Tagesmeteorströmen zählen:
- Tages-Capricorniden-Sagittariiden (13. Januar – 4. Februar)
- Tages-Arietiden (14. Mai – 24. Juni)
- Sextantiden (9. September – 9. Oktober)

Neben regelmäßigen Meteorströmen können gelegentlich Feuerkugeln über den Himmel ziehen. Manche sind sogar am helllichten Tag sichtbar. Diese Ereignisse sind jedoch selten und unvorhersehbar, ihre Beobachtung lässt sich also nicht wie eine gewöhnliche Sitzung planen. Die meisten Körper, die Feuerkugeln verursachen, verglühen in der Erdatmosphäre. Manchmal erreichen einzelne Bruchstücke den Boden (sie heißen Meteoriten).

Atmosphärische Phänomene
Neben astronomischen Ereignissen können Sie auch Erscheinungen der Erdatmosphäre beobachten. Viele sind unvorhersehbar, was eine Begegnung umso spannender macht. Wie gut kennen Sie die ungewöhnlichsten Schauspiele am Himmel? Testen Sie Ihr Wissen in unserem Quiz über atmosphärische Phänomene.

Erscheinungen am Tag
Diese atmosphärischen Erscheinungen können Sie tagsüber sehen:
- Regenbogen – ein farbiger Bogen, der entsteht, wenn Sonnenlicht in Wassertropfen gebrochen, im Inneren reflektiert und in seine Farben aufgespalten wird;
- Halo – ein Lichtring um Sonne oder Mond, der durch Lichtbrechung an Eiskristallen entsteht;
- Nebensonne – ein farbiger Lichtfleck links oder rechts neben der Sonne, manchmal auf beiden Seiten. Er entsteht durch Lichtbrechung an Eiskristallen und wird auch als „falsche Sonne“ bezeichnet;
- Sonnensäule – eine senkrechte Lichtsäule, die durch Reflexion von Sonnenlicht an Eiskristallen in der Atmosphäre entsteht.

Erscheinungen in der Dämmerung
Am Übergang zwischen Tag und Nacht treten diese atmosphärischen Erscheinungen auf:
- Der „grüne Blitz“ – ein kurzes grünes Aufleuchten am Sonnenrand unmittelbar bei Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang. Ursache sind die Brechung und Aufspaltung verschiedener Wellenlängen beziehungsweise Lichtfarben in der Erdatmosphäre. Mehr dazu lesen Sie in unserem Leitfaden zur atmosphärischen Refraktion;
- Leuchtende Nachtwolken – silbrige oder bläulich-weiße Wolken, die höher als alle anderen Wolkenarten entstehen. Am besten sieht man sie im Sommer in mittleren und hohen Breiten bei bestimmten Wetterbedingungen, kurz nach Sonnenuntergang oder vor Sonnenaufgang;
- Magische Stunden: blaue und goldene Stunde – Zeiträume um Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, in denen der Himmel blau oder golden erscheint und besonders schönes Licht für Fotos bietet;
- Schließlich sind auch Sonnenaufgang und Sonnenuntergang selbst wunderbare Motive zum Beobachten oder für die Astrofotografie.

Für eine weitere Herausforderung suchen Sie nach Ende der Abenddämmerung oder vor Beginn der Morgendämmerung das schwache Zodiakallicht. In mittleren Breiten sieht man es am leichtesten an Frühlingsabenden oder Herbstmorgen unter einem dunklen, mondlosen Himmel. Dieses Leuchten entsteht durch Sonnenlicht, das an Staub im inneren Sonnensystem gestreut wird, nicht durch die Erdatmosphäre.

Astronomie am Tag: das Wichtigste
Sie müssen nicht auf die Dunkelheit warten, um den Himmel zu erkunden. Vergleichen Sie den Mond bei Tag und nach Sonnenuntergang, erkennen Sie die Venusphase im Teleskop oder verfolgen Sie mit korrekt gefilterter Ausrüstung Sonnenflecken, um die Sonnenrotation sichtbar zu machen. Beginnen Sie mit einfachen Zielen und erweitern Sie Ihr Programm mit zunehmender Erfahrung. Öffnen Sie Sky Tonight, prüfen Sie die Position Ihres Ziels und planen Sie Ihre nächste Tagesbeobachtung. Viel Erfolg!
